Ich habe in den ersten Wochen der Schwangerschaft
getrunken
Schwangere:
Wie mir von FASworld bereits
beantwortet wurde, kann FAS bei einer
Fruchtwasseruntersuchung nicht festgestellt werden.
Kann man körperliche Schädigungen bei der Ultraschallfeindiagnostik in
der 20-22 KW feststellen? Laut
FASworld kann man FAS erst nach der
Geburt diagnostizieren.
Mir ist schon klar, dass geistige Erkrankungen nicht feststellbar
sind, aber die körperlichen müsste man doch durch irgendeine
Untersuchung feststellen können.
Für Ihre Hilfe wäre ich Ihnen sehr dankbar.
Ärztin:
die Probleme durch Alkohol für das ungeborene Kind werden durch
Vergiftungserscheinungen im Zentralnervensystem und einer
verminderten Proteinsynthese in der Leber verursacht. Als
Auswirkungen davon beobachtet man typischerweise eine
Mangelentwicklung, insbesondere auch kleinere Kopfmesswerte während
der Schwangerschaft. Falls das Kind von Fehlbildungen betroffen ist,
betreffen diese typischerweise das Herz-Kreislaufsystem, das Gesicht
oder die inneren Organe. Mit
Hilfe der Ultraschall-Organanalyse können
zumindest die schweren Organ-Fehlbildungen erkannt, bzw. ausgeschlossen
werden.
Auch eine sorgfältige
Wachstumskontrolle (US-Biometrie) sollte ein von
FAS betroffenes Kind erkennen können bzw. die Wahrscheinlichkeit
vermindern oder erhöhen (je nach Befund). Problematisch ist meist
der relativ späte Zeitpunkt in
der Schwangerschaft zu dem die durch
Ultraschall erhobenen Befunde die Diagnose FAS des ungeborenen Kindes
anzeigen. Häufig besteht bei betroffenen Schwangeren die falsche Hoffnung,
ein "normales" Fruchtwasserpunktionsergebnis würde die normale
geistige
Entwicklung eines ungeborenen Kindes anzeigen. Dies entspricht nicht
Den Tatsachen und wird nicht immer von punktierenden Ärzten korrekt
vermittelt.
Ich hoffe, diese Angaben helfen Ihnen etwas weiter.
Schwangere:
vielen Dank erst mal für Ihre Antwort. Sie hat mir insoweit weitergeholfen.
Ich hätte aber noch ein paar Fragen, denn keiner der Ärzte bei denen
ich bislang war, kennt sich mit diesem Thema aus.
Ich selbst bin Alkoholikerin und hatte zum Beginn der Schwangerschaft
einen längeren Rückfall. Zeugung war der 28.09.2008.
Ich habe in der Zeit vom 03.10. bis 07.10 täglich bis zu 5 Gläsern
Wein getrunken. Danach hatte ich mich wieder gefangen.
Am 14.11.2008 hatte ich einen erneuten Rückfall an diesem Tag habe ich
eine Flasche Wein und einen Glühwein getrunken.
Danach habe ich erfahren, dass ich schwanger bin.
Ich habe jetzt entsetzliche Angst, dass das Kind an FAS leidet.
Können Sie aufgrund Ihrer Erfahrung abschätzen, wie hoch die
Wahrscheinlichkeit für FAS ist?
Und welche Bereiche, wenn geschädigt sein könnten. Ich weiß nämlich
nicht, in welchen Stadien der Entwicklung das Kind war.
Was meinen Sie mit US-Biometrie. Macht das der normale Frauenarzt?
Vielen Dank im Voraus
Ärztin:
in den ersten 10 Tagen nach
der Befruchtung gilt die sogenannte
"Alles-oder-Nichts-Regel". Das heißt ein schädigender Einfluss
auf die Schwangerschaft führt entweder zur Fehlgeburt oder hat
keinerlei Auswirkungen. Mit anderen Worten der Alkohol zwischen
dem 3. und 7.10.hat keine Bedeutung. Der Wein am 14.11. war sicher
nicht günstig, erhöht aber das Risiko für Ihr Kind nur minimal.
Genaue Zahlen dazu hat niemand, aber m.M. nach
brauchen Sie sich
diesbezüglich keine Sorgen zu machen.
Unter US-Biometrie versteht
man das Messen definierter Maße
in der Schwangerschaft durch Ultraschall. Frauenärzte mit spezieller
Ultraschall-Qualifikation (sogen. DEGUM-II-Zertifizierung) machen
diese Diagnostik immer, alle Frauenärzte machen Basis-US-Diagnostik.
Extrem wichtig für Sie jetzt ist.
1. keinen Tropfen Alkohol mehr
anzurühren (möglichst mit professioneller
Hilfe!)
2. den oder die betreuende(n) Frauenärzt(in) über
Ihre Vorgeschichte und
Sorgen ehrlich zu informieren
3. eine genaue objektive
Information über Möglichkeiten, Risiken und Grenzen
der Pränatal-Diagnostik zu erhalten,
z.B. im Rahmen einer individuellen
Pränatal-Beratung an einem Institut
für Humangenetik in Universitätsstädten
oder größeren Städten (Adressen im
Internet), eine Überweisung dazu bekommen
Sie bei Ihrem Hausarzt/Ärztin oder
Frauenarzt.
siehe auch Aufsatz von Dr. Robert Maiwald
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