3.5 Suchtgefährdung für Menschen mit FAS/FAE

Bei Kindern mit dem fetalen Alkoholsyndrom muß davon ausgegangen werden, daß eine erhöhte Gefahr der Suchtentwicklung besteht (Löser 1995, 116; Löser 1990 (b), 157 ; Davis 1994, 128 ; Löser 1994 (b), 73).

Nach Löser ist die höhere Wahrscheinlichkeit eine stoffgebundene Sucht zu entwickeln, durch folgende Faktoren zu begründen:

·         Die frühe intrauterine Gewöhnung des Kindes an ein Suchtmittel, d.h. an den Alkohol, kann eine Suchtentwicklung begünstigen. Die Kinder waren während der gesamten Schwangerschaft den gleichen Alkoholkonzentrationen ausgesetzt wie die Mutter. Es entstand schon zu dieser Zeit eine Vertrautheit mit dem Suchtmittel.

·         Es kann beim Kind eine genetische Disposition bestehen, abhängig von einem Suchtstoff zu werden. Die Fähigkeit den Alkohol zu verstoffwechseln und zu vertragen wird genetisch kontrolliert. Bei Alkoholismus in der Familie werden die ersten Anzeichen für eine Alkoholkrankeit schon in jüngerem Alter als bei Anderen gezeigt, auch ist der Verlauf der Krankheit rascher und schwerer.

·         Die soziofamiliären Umweltfaktoren können eine Suchtentwicklung unterstützen: Die Kinder können bei der leiblichen Mutter schon früh in Kontakt mit dem Alkohol kommen, wenn diese ihre Abhängigkeit nicht überwinden kann. Die Kinder müssen vielleicht den Alkohol beschaffen. Häufig trinkt auch der Vater.

·        Aber auch in einer Pflege – oder Adoptivfamilie kann das Kind den, in unserer Gesellschaft, recht sorglosen Umgang mit Alkohol erfahren, denn wie häufig wird auf Familienfeiern Kindern Alkohol zum Probieren gegeben.

·         Die Persönlichkeitsstruktur eines Menschen mit fetalem Alkoholsyndrom bzw. Alkoholeffekten macht die betroffenen anfällig: Sie sind unkritisch und können die Folgen ihrer Handlungen oftmals nicht abschätzen.

·        Der Wunsch zu einer Gruppe Gleichaltriger dazu zugehören, sowie ihre eingeschränkte Selbststeuerung kann sie zu Alkohol- und Drogenkonsum führen (Davis 1994, 138; s. auch Beispiel in Kapitel 5.3).

Aus den zuvor genannten Gründen schätzt Löser das Risiko für eine Suchtentwicklung bei Kindern mit FAS auf 20-30%. Zum Vergleich dazu, die Suchtentwicklung in der Durchschnittsbevölkerung beträgt nach Angaben der Deutschen Hauptstelle gegen die Suchtgefahren (DHS) etwa 5% (in Löser 1995, 118).

Doch sind Kinder mit FAS nach Löser (1995, 119) nicht als "trockene Alkoholiker" anzusehen, bei denen der einmalige Genuß von Alkohol sofort zur Abhängigkeit führt. Es scheint vielmehr, daß sich nach längerfristiger Gewöhnung und Mißbrauch, die Phasenentwicklung nach Jellinek (s. Kapitel 2.2) rascher als bei Erwachsenen vollzieht.

aus Diplomarbeit von Annika Drozella
www.fas-schule.de