Die Kinder mit der unsichtbaren Behinderung – den Fetalen Alkoholeffekten (FAE)

In Deutschland werden mehr als 15.000 Kinder im Jahr geboren, ohne die Chance auf ein normales Leben zu haben. Einem kleinen Teil von ihnen, über 2.200 Kindern, sieht man die Behinderung auf den ersten Blick an. Sie haben ein verändertes Gesicht, sind zu klein, zu schmal und im Umgang mit ihnen merkt man ihnen ihre geistige Behinderung deutlich an. 

Was aber ist mit den Kindern, die äußerlich ‚normal’ aussehen? Sie sind normal groß, weisen anfangs meist eine normale, gesunde Entwicklung auf. „Alles in Ordnung, alles gesund!“ wird häufig den Pflege-/Adoptiveltern gesagt. Dass in Wahrheit gar nichts in Ordnung und das Kind keineswegs gesund ist, das wissen die wenigsten. Mit der Zeit merken die Eltern, dass mit dem Kind etwas nicht stimmt. Verhaltensauffälligkeiten, Unkonzentriertheit, Zappeligkeit, Probleme im täglichen Umgang mit den Kindern fallen ihnen auf.

Nun, wir wissen alle, dass jedes Pflege-/Adoptivkind sein eigenes Päckchen mit sich bringt. Bindungsstörungen, Traumata und viele Einzelfaktoren führen nun einmal zu einem gestörten Verhalten. Aber im Normalfall ändert sich das Verhalten der Kinder, wenn sie einige Zeit in der Pflege-/Adoptivfamilie sind. Nicht aber dann, wenn sie durch Alkohol in der Schwangerschaft geschädigt wurden. Viele Nervenzellen wurden gar nicht erst angelegt oder durch den Alkoholkonsum wieder zerstört.

In der Schule lernen die Kinder nur unter Schwierigkeiten das Lesen, oft verstehen sie den Sinn dessen gar nicht, was sie lesen. Zusammenhänge werden nicht begriffen, Verallgemeinerungen fallen ihnen schwer. Größere Probleme wiederum haben sie beim Rechnen. Nicht die Rechenarten fallen ihnen meist so schwer, sondern eher die Textaufgaben, das Schätzen, das Zurückgreifen auf früher Gelerntes. So haben die Eltern einerseits das Gefühl, dass ihr Kind doch rechnen kann, andererseits zweifeln sie arg an den Fähigkeiten des Kindes.

Diese Kinder sind die sichtbaren Kinder mit einer unsichtbaren Behinderung. Sie können soziale Regeln nicht einhalten, lassen sich von Freunden leicht beeinflussen, haben große Stimmungsschwankungen. Als Jugendlicher und Erwachsener wird es nicht besser, die Probleme verlagern sich nur auf eine andere Ebene.

Viele Eltern erhalten erst nach jahrelanger Odyssee von einem Arzt zum anderen mit den verschiedensten Teildiagnosen die Aufklärung darüber, was wirklich mit dem Kind los ist. Eine gute Diagnostik und Aufklärung der Personen, die mit dem Kind umgehen, sind Schutzfaktoren, die nicht zu unterschätzen sind. 

Was können wir als Eltern von dem Kind verlangen, wo überfordern wir es? Wie können wir das tägliche Leben konfliktfreier gestalten? Welche Hilfsmöglichkeiten gibt es?

 

Nov.05